Hydrologie, Citizen Science und Crowdsourcing

Hydrologie und hydrologische Daten

Wasser ist für die Gesellschaft eine grosse Herausforderung. Daher werden HydrologInnen gebeten, wichtige Grundlagen zu erforschen, die für Entscheidungen im Wassermanagement benötigt werden. Das ist allerdings schwierig, da oft wichtige Daten nicht in ausreichender Form erhoben werden. Häufig betrifft dies auch Entwicklungsländer, wo dringende Wassermanagement-Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Abnahme der amtlichen hydrologischen und meteorologischen Beobachtungsdaten ist oft frustrierend, vor allem in Hinblick auf die neuen Herausforderungen. Es gibt allerdings heute neue Methoden Umweltdaten zu messen, wie zum Beispiel Fernerkundung, geophysische Methoden und drahtlose Sensoren-Netzwerke. Allerdings sind wichtige hydrologische Messgrössen, wie zum Beispiel Bodenfeuchte oder Abfluss mit einer guten räumlichen und zeitlichen Auflösung weiterhin schwierig zu beobachten.

Citizen Science und Crowdsourcing

Das Oxford Wörterbuch definiert Citizen Science, auf Deutsch auch Bürgerwissenschaften genannt, als wissenschaftliche Arbeit, welche von BürgerInnen, oft in Zusammenarbeit mit oder unter der Leitung von professionellen ForscherInnen und wissenschaftlichen Institutionen geführt wird.

Citizen scientists, auf Deutsch BürgerwissenschaftlerInnen, werden vom Oxford Wörterbuch definiert als Angehörige der Öffentlichkeit, welche bei einer wissenschaftlichen Arbeit beteiligt sind, oft in Zusammenarbeit mit oder unter der Leitung von professionellen WissenschaftlerInnen oder wissenschaftlichen Institutionen; ein/e Amateur-ForscherIn. Citizen sciencists bieten nicht nur wertvolle Daten, sondern können zusätzlich das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Umweltthemen, in diesem Fall zum Thema Wasser, stärken (Johnson et al. 2014).

Die Sammlung von Umweltdaten mithilfe von Citizen Scientists ist kein neues Konzept. Seit 1900 werden bereits jährlich zu Weihnachten Vogelzählungen durchgeführt, die mithelfen den Vogelbestand zu bestimmen. Die Audubon Weihnachts-Vogelzählung ist weltweit das längste andauernde Citizen Science Projekt. Aber es gibt auch andere Beispiele: der schwedische Meteorologe Tor Bergeron bat die Menschen die Schneetiefe (Bergeron 1949) und Regen (Bergeron 1960) zu messen. Heute ist das Sammeln von solchen Daten wesentlich einfacher, da Smartphones und soziale Medien genutzt werden können und so die Kommunikation zwischen Citizen Scientists und WissenschaftlerInnen wesentlich erleichtert wird.

Crowdsourcing hat viele Schnittstellen mit Citizen Science, wo Daten mithilfe „der Vielen“, daher einer grossen Menge an TeilnehmerInnen gesammelt werden. Jeder kann mitmachen!

10 Prinipien von Citizen Science

Die 10 Prinipien von Citizen Science fassen das Konzept Citizen Science sehr gut zusammen. Sie wurden aus dem folgenden Buchkapitel übernommen:

Robinson L.D., Cawthray, J.L., West, S.E., Bonn, A., & Ansine, J. (2018). Ten principles of citizen science. In S. Hecker, M. Haklay, A. Bowser, Z. Makuch, J. Vogel, & A. Bonn. Citizen Science: Innovation in Open Science, Society and Policy. London, UCL Press. 1–23.

Die Übersetzung ins Deutsche wurde hier veröffentlicht: https://ecsa.citizen-science.net/sites/default/files/ecsa_ten_principles_of_cs_german.pdf (Zugriff: 25.10.2018)

  1. Citizen Science Projekte binden Bürgerinnen und Bürger aktiv in wissenschaftliche Unternehmungen ein, die zu neuem Wissen und Verstehen führen.
  2. Citizen Science Projekte führen zu echten wissenschaftlichen Ergebnissen.
  3. Alle Teilnehmenden profitieren von der Teilnahme, sowohl die institutionell beschäftigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch die ehrenamtlich Beteiligten.
  4. Wenn sie möchten, können die Bürgerwissenschaftlerinnen und – wissenschaftler sich an verschiedenen Phasen im wissenschaftlichen Prozess beteiligen.
  5. Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhalten eine Rückmeldung vom Projekt.
  6. Citizen Science ist ein Forschungsansatz, der wie andere auch Limitationen und Vorannahmen hat, die berücksichtigt und kontrolliert werden müssen.
  7. Die Daten und Metadaten aus Citizen Science Projekten werden öffentlich zugänglich gemacht und die Ergebnisse soweit möglich in einem open-access Format publiziert.
  8. Bürgerwissenschaftlerinnen und – wissenschaftler wird Dank und Wertschätzung in den Projektergebnissen und -publikationen ausgesprochen.
  9. Die Evaluierung von Citizen Science Programmen erfolgt auf Grundlage der wissenschaftlichen Ergebnisse, der Qualität der Daten, des Mehrwerts für die Beteiligten sowie der breiteren gesellschaftlichen Wrikung.
  10. Die Projektverantwortlichen berücksichtigen bei sämtlichen Aktivitäten legale und ethische Aspekte, die Urheberrechte, Rechte des gesitigen Eigentums, Datenprotokolle, Vertraulickeit, Verantwortlichkeit oder Auswirkungen auf die Umwelt betreffen.